Muammar al-Gaddafi

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Muammar al-Gaddafi war seit einem Militärputsch am 1. September 1969 das Staatsoberhaupt von Libyen. Ferner dominierte und bestimmte er als Diktator die Politik in Libyen von 1979 bis 2011. Er gilt als der am längsten regierende Machthaber in Libyen. Seinen Machterhalt sicherte sich der Diktator durch seine eigenen Nachkommen und durch die hohen Exporteinnahmen von Erdgas und Erdöl. Darüber hinaus politisierte und nutzte die Stämme aus und zwar nach dem Prinzip teile, aber herrsche. Daraufhin wurde Gaddafi im Jahr 2008 zum afrikanischen König ernannt. 2011 gab es die ersten landesweiten Aufstände in Libyen, woraufhin Gaddafi bereits innerhalb eines Monats seine Kontrolle über das gesamte Land an die Rebellen verlor. Anschließend begannen die USA, Kanada und mehrere westeuropäische Länder infolge einer UN-Resolution mit Luftangriffen auf Libyen, um eine Flugverbotszone durchzusetzen. Ab Juni 2001 galt Gaddafi als Kriegsverbrecher und wurde wegen seiner Verbrechen gegen die Menschlichkeit international mit Haftbefehl gesucht. Im August wurde er als Machthaber in Libyen abgesetzt und von der Regierung per Polizei gesucht. Im Oktober wurde er dann getötet, bislang ist jedoch noch unbekannt, wie er tatsächlich umkam. Mehr über Gaddafi erfahren Sie in diesem Artikel.

Wie erlangt Gaddafis Weg zur Macht

Im Jahr 1969 gelang des Gaddafi den damaligen König zu stürzen und übernahm als Anführer einer Militärjunta das Kommando im Land. Zunächst rief er die libysch-arabische Republik aus und verkündete seine Staatsziele, und zwar Freiheit, Einheit und Sozialismus. In den darauffolgenden Jahren formte er Libyen zu einem sozialistischen Staat um, wobei er sich stark am arabischen Nationalismus orientierte, deren Machthaber Gaddafi vor allem beim Umbau des Bildungssektors und der Verwaltung unterstützten. Ferner gründete Gaddafi die sogenannte World Islamic Call Society, mit deren Hilfe er eine Arabisierungs- sowie salafistische Islamisierungskampagne auf den Weg brachte, um den westlichen Einfluss zurückzudrängen. Daraufhin wurde Alkohol verboten und militärische Stützpunkte von den USA sowie Großbritannien wurden geschlossen. Gaddafi setzte ein System der Volkskongresse um, was auf eine direkte Demokratie ohne Parlamentarismus basierte. 1973 brach ein Konflikt mit dem Tschad aus, weil Libyen den Aouzou-Streifen als ihr einiges Territorium zurückforderten und besetzten. Es kam zu einem Krieg, der von 1978 bis 1987 dauerte. Endgültig zogen sich die libyschen Truppen erst 1994 aus dem Tschad zurück, nachdem der Aouzou-Streifen vom internationalen Gerichtshof dem Tschad zugesprochen wurde. Außerdem tat Gaddafi alles um einen Kult um seine Person zu inszenieren, wobei er im öffentlichen Raum überlebensgroße Bilder von sich selbst aufhängen ließ, auf denen er sich mit dunkler Sonnenbrille und bunten Gewändern präsentierte.

Gaddafis Politik im Wandel

Im Jahr 1988 begann Gaddafi mit einer Politik der Öffnung, wonach Schritt für Schritt die sozialistische Staats- und Planwirtschaft beendet wurde. Er ernannte einen Reformer, der in den USA studiert hatte und ihm bei der Einführung der freien Marktwirtschaft half. In den 90er Jahren war die libysche Bevölkerung nicht gut auf ihr Regierungsoberhaupt zu sprechen, weil der UN-Sicherheitsrat 1993 Sanktionen gegen Libyen verhängte und es zu staatlichen Fehlplanungen in Hinblick auf die Ölförderung kam. Ferner stieg die Arbeitslosigkeit stark an und die Islamisten bekamen mehr Zulauf. Innerhalb dieses Zeitraums gab es zahlreiche Umsturzversuche, woraufhin Gaddafi seinen Sicherheitsapparat verstärkte. 1993 wurden auch die Volksführerschaftskomitees gegründet, die ein Ort für Stammesführer und traditionelle Eliten sein sollten, wo die Verteilung von ihrem Abteil der Erdölrenten stattfand. Auf diese Weise konnte Gaddafi die einflussreichsten Stämme in seinen Machtapparat einbinden. Des Weiteren wurde 1997 das Gesetz zur kollektiven Bestrafung eingeführt, wonach Familien oder ganze Heimatorte für das Verbrechen Einzelner bestraft werden konnten. Nach der Jahrtausendwende gelang es Gaddafi wieder sein Regime zu stabilisieren. Hierbei halfen ihm vor allem die Normalisierungen in der Außenpolitik sowie der hohe Ölpreis und die steigende Nachfrage auf dem Weltmarkt. Mit Hilfe einer Lohnerhöhung von 80 Prozent im Öffentlichen Dienst 2007 konnte er große Teile der Bevölkerung wieder von sich überzeugen. Trotzdem blieb die Menschenrechtslage nach wie vor kritisch. Doch bald traten wieder soziale, politische und ökonomische Probleme auf. Ferner kooperierte Libyen mit der Europäischen Union, um afrikanische Flüchtlinge von den Grenzen fernzuhalten. Hierbei kam es zu menschenunwürdigen Zuständen und Folterungen.

2003 wurde bekannt, dass Gaddafi in seinem Land die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen betreibe. Nachdem er sein ABC-Waffenprogramm veröffentlichte, ließ er es demontieren, woraufhin sich das Verhältnis zum Westen stark verbesserte. 2009 hielt Gaddafi seine erste Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen. Hierbei kam es zu einem Eklat, denn in seiner Rede zitierte Gaddafi aus der UN-Charta und zerriss dann einige Seiten.

Stimmung wendet sich gegen Gaddafi

Nach Unruhen in Ägypten und Tunesien kam es im Februar 2011 auch in Libyen zu einem Aufstand, wobei zum ersten Mal öffentlich der Sturz Gaddafis gefordert wurde. Schnell entwickelte sich ein Straßenkrieg, wobei innerhalb weniger Tage mehr als 400 Menschen den Tod fanden. Während dieses Bürgerkriegs wurden in Europa und den USA mehrere Konten von Gaddafi gesperrt. Gegen Gaddafi und einige Mitglieder seiner Familie wurden Haftbefehle erlassen, weil ihnen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zuge der Angriffen gegen die Aufständischen vorgeworfen wurden. Trotzdem hielt Libyen seine Wirtschaftsbeziehungen zu mehreren italienischen Unternehmen und Politikern aufrecht und auch das Abkommen hinsichtlich der Flüchtlingsproblematik lösten Konflikte in der EU aus. Bis zum Schluss lehnte Gaddafi das Eingreifen internationaler Militärkräfte ab. Während seiner Amtszeit unterstütze Gaddafi den internationalen Terrorismus. Er wurde bereits 1986 mit einem Bombenanschlag auf die Disko La Belle. Auch für den Lockbier-Anschlag 1988 mit 270 Toten wurde ein Mitarbeiter des libyschen Geheimdienstes verurteilt. Auch galt Gaddafi als Drahtzieher des Anschlags auf ein Flugzeug 1989, wobei ein französisches Flugzeug über dem Niger abstürzte und 170 Menschen starben. Insgesamt betrachtet, verwandelte Gaddafi Libyen von einem der ärmsten Staaten weltweit in das wohlhabendste Land in ganz Afrika.

Trotzdem gehen zahlreiche Untaten auf sein Konto, weshalb die libysche Diktatur niemals von des westlichen Ländern akzeptiert werden konnte. Hierbei tat er viel für sein Volk, in dem er beispielsweise den Strom kostenfrei für alle Bürger bereitstellte oder zinsfreie Kredite einführte. Auch die Bildung sowie die medizinische Behandlung wurden in Libyen gratis bereitgestellt. Darüber hinaus hatte das Land keine Auslandsschulden. Er sorgte dafür, dass mindestens 83 Prozent der Bevölkerung lesen konnte und 25 Prozent einen Hochschulabschluss schafften. Er versuchte auch sein Land aus der Abhängigkeit vom IWF und den Industrienationen zu befreien, in dem er das Projekt „Men-Made-River“ ins Leben rief, wobei er dem Land einen Zugriff auf Wasserreserven verschafft. Es war das weltweit größte Wasserprojekt und für die Wüstenregion Nordafrikas eine riesiger Fortschritt.

Trotzdem fiel Gaddafi des Öfteren auch durch negative Taten auf. Die gesamte Macht hatte Gaddafi während seiner Amtszeit alleine inne. Er verbot Parteien und unterdrückte die Opposition. Da er sehr viel Angst vor Gegnern oder einem Sturz hatte, vernachlässigte er systematisch die Infrastruktur des Landes. Auf diese Weise wollte er verhindern, dass konkurrierende Machtzentren entstehen, sogar die Armee machte er praktisch handlungsunfähig. Er öffnete sich zu Beginn seiner Amtszeit sehr stark dem Osten und hatte enge Beziehungen zu der Sowjetunion. Ferner führte er die goldgedeckte afrikanische Handelswährung ein, der im Ölhandel sogar den Dollar als Leitwährung ablöste. Sein größtes Problem jedoch war seine eigene Ungeduld und seine Großmacht. Schlussendlich war Gaddafi ein Diktator, der zum Nachteil für Libyen handelte.

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