Geschwister Scholl

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Sie wurden bedeutende Symbolfiguren für den Widerstand in Deutschland gegen das totalitäre NS-Regime, die Geschwister Hans und Sophie Scholl. Beide wurden in ein liberales bürgerliches Elternhaus hineingeboren. Hans am 22. September 1918 in Ingersheim und Sophie am 9. Mai 1921 in Forchtenberg. Der Vater, Robert Scholl war mit der Krankenschwester Magdalene Müller verheiratet. Gemeinsam hatten sie neben Hans und Sophie noch weitere vier Kinder. Die Familie lebte bis 1930 in Forchtenberg, wo Robert Scholl seit 1920 Bürgermeister war. Wegen der liberalen Haltung von Robert Scholl wurde er nicht mehr als Bürgermeister wiedergewählt, daher zog es die Familie für zwei Jahre nach Ludwigsburg, bis sie 1932 nach Ulm umzog. Der Vater machte sich dort als Steuer- und Wirtschaftsberater selbstständig. Die Geschwister verbrachten in Ulm ihre Jugendzeit. Für die Kinder war es selbstverständlich, sich mit Musik, Literatur und Kultur zu beschäftigen. Doch auch die liberale Überzeugung gab der Vater an seine Kinder weiter. So waren Selbstständigkeit, das Fällen eines eigenen Urteils sowie die Entscheidungsfreiheit Prinzipien, die die Entwicklung der Kinder prägte.

Bann und Bruch mit dem Nationalsozialismus

Die Machtergreifung der Nazis erlebte die Familie in Ulm. Reagierte der Vater mit Bestürzung und verglich die Nazis mit Wölfen und Bärentreibern sowie Hitler mit dem Rattenfänger von Hameln, waren die Kinder zunächst fasziniert von dem Neuen. Sophie Scholl trat dem Bund Deutscher Mädel bei und Hans Scholl wurde begeistertes Mitglied der Hitlerjugend, in der er sogar eine Führungsposition im Jungvolk einnahm. Die Gruppenerlebnisse in der Gemeinschaft und der Natur waren es, die die Geschwister anfänglich blind für die Realität machten. Die ersten Zweifel am Nationalsozialismus kamen bei Sophie Scholl auf, als sie die Judendiskriminierung bewusst wahrnahm. Ihr Gerechtigkeitssinn ließ es nicht zu, dass sie die Beziehung zu einer jüdischen Freundin abbrechen sollte. Auch Hans Scholl erlebte schrittweise die Entfremdung zum System. Ihm wurde verboten, weiter auf der Gitarre russische Volkslieder zu spielen und jüdische Literatur zu lesen. Auch durch den stumpfsinnigen Drill, wie er ihn auf dem Nürnberger Parteitag erlebte, erkannte er, dass diese Mittel lediglich zur Aufgabe der eigenen Persönlichkeit führten.

Nachdem ein junger Lehrer seiner Schule ins KZ eingeliefert wurde und er wegen der Gestaltung einer Fahne mit seinem Führer in Streit geriet, distanzierte er sich von der Hitlerjugend und schloss sich der Deutschen Jungenschaft an, die allerdings zu diesem Zeitpunkt schon verboten war. Sophie und die anderen Geschwister wurden von Hans beeinflusst, sodass es auch bei Sophie zum Bruch mit ihrer Jugendgruppe kam. Im Herbst 1937 griff die Gestapo gegen diese Jungenschaft durch und die Scholl-Geschwister wurden dabei verhaftet. Dabei wurde gegen Hans Scholl und verschiedene andere ein Verfahren wegen der Fortsetzung der bündischen Jugend eingeleitet. Sophie war nur wenige Stunden im Gefängnis, Inge und Werner acht Tage, und Hans saß fünf Wochen ein.

Der Beginn des Widerstands

Hans Scholl begann im Frühjahr 1939 sein Medizinstudium in München. Im Sommer 1940 musste er während seiner Semesterferien als Sanitätsfeldwebel mit in den Frankreich-Feldzug und von Juli bis Oktober 1942 war er als Sanitäter an der Ostfront. Diese Kriegserfahrungen öffneten ihm vollends die Augen zum NS-Regime. In einem Brief an den katholischen Publizisten Carl Muth, dem er zu Weihnachten 1922 schrieb, bekannte er, wie er den christlichen Glauben wieder fand und zu beten begann. Er schrieb von seiner inneren Leere und wie ihn der Gedanke an den Krieg einsam macht. Weiter teilte er ihm mit, durch die zwei Ereignisse, nämlich dass er den Namen des Herrn vernommen hat sowie die erste Begegnung mit Carl Muth, die Tage wieder heller wahrgenommen zu haben. Aber auch sein Freundeskreis, der aus Studenten, Wissenschaftlern und Philosophen bestand, prägte ihn während dieser Zeit bedeutsam. Die philosophischen Gesprächskreise, in denen von allen nach Orientierung gesucht wurde, führte Hans Scholl in Richtung gelebtes Christentum, freiheitliche Staatsauffassung, Sicherung der Rechte des Einzelnen, Gewaltenteilung in der Verfassung. Es bildeten sich bei ihm Gedanken des Widerstandes.

1940 begann Sophie Scholl eine Ausbildung zur Kindergärtnerin im evangelischen Kindergärtnerinnen-Seminar in Ulm. Damit wollte Sie dem Reichsarbeitsdienst entgehen, was ihr jedoch nicht gelang. Zwangsweise wurde sie für sechs Monate zum Reichsarbeitsdienst und zum Kriegshilfsdienst verpflichtet. Während dieser Zeit las Sophie Scholl Augustinus von Hippo. Durch die Werke dieses Kirchenlehrers gewann Sophie eine neue Orientierung und im Frühjahr 1941 kam es bei ihr zur Umkehr und Abwendung vom NS-Regime. Im Juni 1942 begann sie ein Studium der Biologie und Philosophie in München, wobei die Semesterferien sie immer wieder nach Ulm zurückkehren ließen, da sie während dieser Zeit in einem Ulmer Unternehmen für die Rüstungsproduktion arbeiten musste. Durch den Bruder Hans lernte Sophie in München Studenten kennen, durch die ihre Ablehnung des NS-Regimes weiter verstärkt wurde. Sie schloss sich dem Zirkel der Widerständler an.

Die Flugblätter

Im Juni 1942 wurde die Widerstandsbewegung „Weiße Rose“ gegründet. Dieser Gruppe, deren Gründungsmitglied Hans Scholl war, schloss sich auch Sophie Scholl an. Es wurden unter Lebensgefahr Flugblätter hergestellt und verteilt. Von den sechs Flugblättern, in denen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufgerufen wurde, waren vier mit der Weißen Rose gekennzeichnet, das fünfte Flugblatt trug den Absender „Flugblätter der Widerstandsbewegung in Deutschland“. Verteilt wurden sie nicht nur in München, sondern durch verschiedene Studenten auch in anderen Großstädten Deutschlands und in Wien. Die Flugschriften sorgten für großes Aufsehen, was zu einer intensiven Fahndung nach den Herstellern führte. Sophie Scholl und Hans Scholl wurden am 18. Februar 1943 beim Verteilen der Flugblätter vom Hausmeister der Universität, Jakob Schmid, einem SA-Mann, entdeckt und dem Rektor der Universität übergeben. Schmid wurde für diese Tat von seinem Gauleiter mit 3.000 RM belohnt und zum Truppenführer ehrenhalber ernannt. Nach dem Verhör des Universitätssyndikus und des Rektors der Universität wurde das Geschwisterpaar der Gestapo übergeben.

Am 22. Februar wurden Hans und Sophie Scholl wegen landesverräterischer Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat und Wehrkraftzersetzung vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Gegen 17 Uhr wurden die Geschwister durch das Fallbeil im Gefängnis München Stadelheim enthauptet. Die letzten Worte von Hans Scholl waren „Es lebe die Freiheit“ (Quelle: Wikipedia). Die Gräber von Hans und Sophie Scholl liegen auf dem Friedhof am Perlacher Forst, direkt neben der Justizvollzugsanstalt Stadelheim.

Würdigungen der Geschwister Scholl

Viele Stellen des Gedenkens wurden nach 1945 nicht nur in München, sondern im ganzen Lande zur Erinnerung an den Widerstand der Geschwister Scholl gegründet. Straßen und Plätze wurden nach ihnen benannt. Ebenso gibt es in Deutschland viele Schulen, die ihren Namen dem Geschwisterpaar verdanken. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergibt jährlich einen Geschwister-Scholl-Preis, der mit 10.000 Euro dotiert ist. 1964 widmete die Deutsche Bundespost Sophie Scholl eine Briefmarke. Auch in verschiedenen Spielfilmen und Bühnenfassungen wird das Leben der Geschwister und deren Aktivitäten in der Widerstandsbewegung Weiße Rose dargestellt.

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