Globalisierung der Wirtschaft

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Das Wort „global“ leitet sich vom lateinischen Begriff „globus“ für Kugel oder Erdkugel ab und bedeutet soviel wie „die ganze Welt betreffend“ oder „weltumspannend“. Mit dem Begriff „Globalisierung“ ist somit zwar die zunehmende internationale Verflechtung aller Bereiche – wie Wirtschaft, Politik, Kommunikation, Kultur und Umwelt – gemeint. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff Globalisierung jedoch vorwiegend für den Bereich der Wirtschaft geprägt: Denn im globalen Handelsverkehr werden Produkte heute nicht mehr bloß regional, sondern weltweit getauscht. Voraussetzung für einen globalen Handel ist, dass Nationalstaaten eigene, möglicherweise welthandelsbeschränkende Zölle abbauen und die Gesetzeslage vereinfachen, und/oder gleichzeitig ihre diesbezüglichen Kompetenzen an übergeordnete Institutionen abgeben.

Internationale Globalisierung

Als „Startpunkt“ einer internationalen Globalisierung gilt das GATT-Abkommen (General Agreement on Tariffs and Trade). Dieses Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1947 in Genf beschlossen. Teilnehmende Staaten verpflichteten sich darin, Zölle und Gesetze, die den freien Handel erschweren, abzuschaffen. Zu den 23 Gründungsmitgliedern zählen unter anderem auch die USA und China, Deutschland trat dem Abkommen erst 1951 bei. Zielsetzung des GATT-Abkommens war es, durch einen globalen und frei gestalteten Handel Wohlstand und Lebensstandard in allen Ländern zu verbessern. Die Vorteile der Globalisierung für Menschen in den bisherigen Industrieländern liegen in einer kaum zu überblickenden Warenvielfalt bei gleichzeitig niedrigeren Warenpreisen. Dies ist darin begründet, dass viele Produkte heutzutage in sog. „Billiglohnländern“ günstig produziert und durch die Abschaffung oder Absenkung von Zöllen ohne große Aufschläge international angeboten werden können.

Arbeitnehmer in sog. „Schwellen- und Entwicklungsländern“ profitieren hingegen von einem zunehmenden Arbeitsplatzangebot in ihrer Heimat – und im besten Fall vom somit gleichzeitig wachsenden Wohlstand. Kritiker wenden dagegen ein, dass der globale Handel nur durch große und weiterhin bestehende Lohn- und Gesetzesunterschiede möglich ist. Global agierende Unternehmen und Konzerne, so die Kritiker [vgl.  attac.at], können sich zumeist ungehindert international aufstellen, anschließend Arbeitsplätze in Billiglohnländer auslagern und dort gezielt niedrigere Umwelt-, Sozial- und Steuerstandards ausnutzen.

Kritische Stimmen bemängeln außerdem, dass die Politik zunehmend ihren Einfluss auf Wirtschaftsprozesse verliert – als Folge der Entwicklung, dass sich die großen Unternehmen dort niederlassen können, wo die für sie günstigsten Voraussetzungen herrschen, auch um damit etwa politische Vorgaben in ihren Herkunftsländern umgehen zu können.

Globalisierung von Branchen

In vielen Branchen ist die Globalisierung der Wirtschaft bereits so weit vorangeschritten, dass Kunden Produkte überall in der Welt nutzen oder erwerben können: Die drei großen Kreditkartennetzwerke wickeln täglich Umsätze im Milliardenbereich ab und sind aus einigen Branchen gar nicht mehr wegzudenken. Ebenso deutlich wird die Globalisierung der Wirtschaft im Bereich Logistik und Transport: Dieser Bereich wurde durch die Einführung von standardisierten Containern erheblich beschleunigt und geradezu revolutioniert, denn seit der Einführung konnte das zeitraubende Löschen der Ladung erheblich verkürzt werden.

Begonnen hat die wirtschaftliche Globalisierung im großen Stil, oder was wir heute darunter verstehen, jedoch nicht etwa im letzten Jahrhundert, sondern bereits mit der Gründung der großen ölfördernden Unternehmen.

Ölfirmen als Vorreiter der Globalisierung

Als das Unternehmen Shell um das Jahr 1890 die ersten Schiffe für den Langstreckentransport von Öl in Betrieb nahm, wurde die (wirtschaftliche) Globalisierung erstmals wirklich Realität und für alle Beteiligten greifbar. Schiffe fuhren nicht mehr im ad-hoc-Charter oder auf Flüssen über kurze Distanzen; sie verbanden nun zielgerichtet Kontinente miteinander. Zudem wurde durch die Entwicklung der weltweit tätigen Unternehmen einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren sichtbar. Diese Unternehmen konnten deshalb weltweit walten, da sie ein „knappes Gut“ mit „Hang zum Engpass“ beherrschten. In Daniel Yergin´s Buch “The Prize” wird die Geschichte der Ölfirmen detailliert beleuchtet. Dort wird die Kontrolle über die Transportwege von den Ölfeldern zu den Häfen (mit Hilfe neu gegründeter Eisenbahnunternehmen) als herausragender Wachstumstreiber der Unternehmen beschrieben.

Globalisierung der Wirtschaft bedeutet in vielen Fällen, dass die Chancen für regionale Anbieter bestehen bleiben – sich aber zusätzlich Weltmarktführer herausbilden, deren Produkte und Einflussbereiche sich oftmals in 100 oder mehr Länder erstrecken.

Seit 1961 erobern standardisierte Container die Welt

Die ersten Eisenbahnstrecken in England und in Deutschland wurden nicht vorrangig für den Personenverkehr gebaut, sondern für den Gütertransport. Die zunächst von Nürnberg nach Fürth transportierten Güter waren Lebensmittel, die überwiegende Mehrheit der anfangs transportierten Güter waren jedoch so genannte Schüttgüter wie Kohle oder Eisenerze. Doch schon bald wurden auch Industriegüter und Fertigprodukte transportiert. Anfangs wurden diese paketweise bei jedem Wechsel des Frachtgefährts umgeladen, also beispielsweise von der Pferdekutsche auf die Bahn und am Zielort von der Bahn zurück auf die Kutsche.

Anfang der 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren mit dem zunehmenden internationalen Handel oft mehrere Umladevorgänge verbunden, welche den Transport und auch die Verzollung enorm verzögerten, da die einzelnen Pakete nicht verplombt werden konnten. Deshalb wurden die bereits o.g. standardisierten ISO-Container geschaffen, deren häufigste Ausprägung der 20 Fuß und der 40 Fuß-Container sind. Diese boten und bieten viele Vorteile, beginnend bei der optimalen Stapelbarkeit: So konnten Lastwägen, Güterwaggons und auch Schiffe in ihren Ausmaßen quasi um die entsprechende Anzahl zu befördernder Container herum gebaut werden. Ein weiterer Vorteil war der nun gleichmäßig stabile Rahmen um die Fracht herum. So wird die zu transportierende Anzahl hochwertiger Elektronik-Geräte nicht mehr durch die Gewichtsaufnahmekapazität der Verpackungen begrenzt.

Die standardisierten Container sind ein wesentliches Hilfsmittel für die Globalisierung der Wirtschaft; durch sie konnten die Kosten für weltweiten Transport und damit den globalen Handel enorm reduziert werden. Somit wurde es unter anderem durch Vereinheitlichung der Container möglich, die Transportkosten auch für alltägliche Produkte so zu verringern, dass sie im Endpreis keine große Rolle mehr spielen.

Die Kreditkarte als weltweit anerkanntes Zahlungsmittel

Wer an die Hotelbranche als Beispiel denkt erkennt schnell die Bedeutung der Globalisierung für die lokale Wertschöpfungskette. Eine Überweisung über mehrere Länder und Währungsgebiete ist oftmals kostspielig und wäre somit hinderlich. Erst mit der breiten Einführung der Kreditkarte können auch kleinere Anbieter am weltweiten Wirtschaftsnetz teilhaben. American Express, Mastercard und VISA-Kreditkarten werden weltweit ausgegeben und akzeptiert; so kann das kleine Hotel in einem Münchner Vorort zum Oktoberfest einen ausländischen Gast aufnehmen, ohne zunächst eine Vorauszahlung zu verlangen oder einen Scheck über die Bank abwickeln zu müssen.

Der weltweit standardisierte Zahlungsverkehr durch Kreditkarten ist somit eine weitere Voraussetzung dafür, dass die Globalisierung der Wirtschaft voranschreiten kann. Mit ihrer Einführung wurde es gerade für vielreisende Menschen unkomplizierter, eine Reise zu planen und per Plastikkarte für die Zahlung zu garantieren. Schwierige Verhandlungen über Anzahlungen, Unsicherheit bei Vorauszahlungen und Missverständnisse durch Sprachbarriere entfallen somit. Beide Seiten können bei Einsatz sicher sein, dass der Geschäftspartner zahlungs- und leistungswillig ist. So lassen sich mit Hilfe einer Kreditkarte etwa die beliebten Roadtrips durch die USA bequem von Deutschland aus planen – inklusive Flug-, Motel- sowie Mietwagenbuchung.

In nahezu jeder Branche gibt es durch die Globalisierung hervorgerufene Möglichkeiten für Umsatzsteigerung und neue (Wachstums-) Chancen; sei es durch ein vereinfachtes Sourcing von Produkten und Dienstleistungen oder durch beschriebene standardisierte Zugänge zu Zahlungsverkehr- oder Transportdienstleistungen. Dabei kristallisieren sich besonders Chancen für einige große Unternehmen heraus, etwa für Reedereien, Ölfirmen oder genannte Kreditkartenunternehmen. Da viele dieser global player börsennotiert sind, kann sogar jeder Einzelne vom Wachstum dieser Firmen profitieren, vorausgesetzt man kann die Unternehmenspraktiken mit dem eigenen Gewissen vereinbaren.

Die Beispiele zeigen auch, dass ganz unterschiedlich geprägte Länder Vorteile aus der Globalisierung ziehen (können). Produktionsstandorte globaler Unternehmen in Ländern, die nicht zu den Industrienationen gehören, ziehen diese Gebiete in den globalen wirtschaftlichen Wettbewerb – mit allen Vor- und Nachteilen.

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