Globalisierung – was ist das eigentlich?

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Globalisierung ist heute in aller Munde – aber nicht jeder meint dasselbe, wenn von Globalisierung gesprochen wird. Eine Begriffsdefinition wird stets unterschiedlich ausfallen: Je nachdem ob sie von einem Politiker, einem Wirtschaftsjournalisten, einem Politikwissenschaftler oder gar von “Otto Normalverbraucher” formuliert wird. Im Kern gleichen sich die verschiedenen Begriffsbestimmungen aber dennoch in einem Punkt: Der Begriff „Globalisierung“ bezeichnet die anwachsende Verflechtung verschiedenster Bereiche über den gesamten Erdball hinweg.

Globalisierung der Wirtschaft

Der internationale Warenhandel ist seit dem Zweiten Weltkrieg nahezu viermal so stark angestiegen wie die Produktion von Gütern. In den Industriestaaten produzieren hoch technologisierte Unternehmen Waren, für die auf Abnehmerseite der jeweilige Inlandsmarkt nicht ausreichen kann oder soll. Im Ergebnis müssen daher ausländische Märkte gesucht, gefunden und erschlossen werden. Demgegenüber steht eine Reihe von Entwicklungsländern, die auch aufgrund fehlender Technologien und mangelnder (Infra-)Strukturen und Ressourcen zum Großteil von der Globalisierung ausgeschlossen werden. Teilnehmen an der Globalisierung können Entwicklungsländer höchstens als Abnehmer gewisser Konsumgüter, die in den Industriestaaten hergestellt werden. Über Einflussnahmen und Zusammenhänger zwischen dem Finanz- und Bankensektor und der Weltwirtschaft hat sich seit 2009 vieles herauskristallisiert. Allein, dass es mittels elektronischer Kleingeräte und dem Internet möglich ist, binnen kürzester Zeit Millionenbeträge von einem Erdteil in den anderen zu verschieben, macht den Wandel des globalen Handel(n)s deutlich.

Globalisierung der Kommunikation

Insgesamt zeigt sich diese weltumspannende Verflechtung am deutlichsten auf dem Gebiet der Telekommunikation: Mobiltelefone, die nicht mehr auf Kabel im Büro oder den eigenen vier Wänden angewiesen sind, Satellitentelefone sowie Internet und das in die Jahre gekommene Fax, geben heute vor allem in den wohlhabenden Industriestaaten nahezu jedem die Möglichkeit, problemlos mit Freunden, Familie und Geschäftspartnern in allen Ecken der Welt zu kommunizieren.

Globalisierung der Politik

Aus der angesprochenen weltweiten Verflechtung auf vielen Gebieten des täglichen Lebens haben sich im Laufe der Jahre viele neue, auch und besonders internationale Probleme ergeben. Diese können von den Einzelstaaten somit nicht in Eigenregie gelöst werden, sondern erfordern internationale Verständigung und Zusammenarbeit. Eckpunkte und Schnittmengen einer globalisierten Politik können Umweltfragen sein, etwa das Ozonloch betreffend, oder globale Sicherheitsthemen wie Terrorabwehr oder die Probleme der Piraterie.

Eigenschaften der Globalisierung

Als Eigenschaft der Globalisierung oder Merkmale von Globalisierung lassen sich die Verflechtung von Eigenheiten verschiedener Kulturen, der Austausch von Wissen und Sprache, der Anstieg von wirtschaftlichem Austausch auf einem „Weltmarkt“ sowie gemeinsame Zielsetzungen von Staaten benennen. Diese Zielsetzungen, oftmals in Abkommen und Verträgen festgehalten, können verschiedene Angelegenheiten umfassen, so etwa den Umgang mit Natur und Umwelt der jeweiligen Staaten.

Als Beispiel sei hier etwa das Kyoto-Protokoll genannt – eine direkte Folge der Globalisierung: Das Kyoto-Protokoll ist ein Abkommen, das 1997 in der namensgebenden japanischen Stadt Kyōto als Zusatzprotokoll der Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen festgehalten wurde. Das Anfang 2005 in Kraft getretene Abkommen mit dem Ziel des Klimaschutzes legte erstmalig auch völkerrechtlich verbindliche Zielwerte fest, die den Ausstoß von Treibhausgasen der Industrieländer regeln sollten – Treibhausgase werden als Hauptursache der globalen Erwärmung betrachtet.

Eine besondere Eigenschaft der Globalisierung, die sich auch im Alltag bemerkbar macht, stellt das vereinfachte Transitverhalten dar. Reisen ist heutzutage einfacher denn je, ein Ergebnis auch aus der Zusammenarbeit europäischer Länder, die gemeinsam eine Verkehrsinfrastruktur aufbauen und verwalten. Das Eisenbahnnetz in Europa ist hierfür ein exemplarisches Beispiel. Als Modell einer „kommunikativen Globalisierung“ dient daneben das bereits angesprochene Internet: Dieses Massenmedium besitzt im alltäglichen Leben vieler Länder einen solch starken Einfluss, dass selbst politische Entscheidungen hiervon betroffen sein können: Die Bevölkerung in Ländern wie Syrien, Ägypten und Libyen konnte mutmaßlich erst einen Volksaufstand gegen die dortigen Diktatoren erreichen, als Bilder und Informationen über das Internet veröffentlicht und geteilt und somit Aufmerksamkeit erregt wurde.

Die Entwicklung der Globalisierung

Ab welchem Zeitpunkt oder welcher Epoche von Globalisierung gesprochen werden kann, ist bis heute umstritten. Es gibt hierzu verschiedene Ansichten: Oftmals wird die These vertreten, dass die Globalisierung erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sei.

Andere Quellen vertreten die Meinung, dass die Expansion von Ländern des Europäischen Kontinents in die ganze Welt als Startschuss der Globalisierung im 19. Jahrhundert gilt. Viele Experten sind hingegen der Meinung, dass Globalisierungstendenzen so alt sind wie die Menschheit selbst. Unzweifelhaft steht hingegen fest, dass die Globalisierung nach dem Zweiten Weltkrieg so richtig Fahrt aufnahm: Währungsunionen und Wirtschaftspakte, Militärgemeinschaften und Bildungskooperationen der neueren Zeit begründeten diese Entwicklung.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges etwa wurde die UNO im Jahr 1945 von 51 Staaten gegründet, die Gründung der Europäischen Gemeinschaft erfolgte im Jahre 1952. Das Internet wurde gegen Ende des 20. Jahrhunderts zum ersten Mal genutzt und ging in seiner heutigen Form aus dem 1969 entstandenen ARPANET hervor. Zu dieser Zeit beschloss man auch die ersten interkontinentalen und transatlantischen bzw. transpazifischen Handelsabkommen. Auf dem Bereich der Bildung entstanden gemeinsame Änderungen unter Mitarbeit verschiedener Länder – so fiel der Startschuss für die europaweit gültigen Bachelor und Master Hochschulabschlüsse im Jahr 1998, als mehrere Länder das Bologna-Abkommen unterzeichneten.

Vorteile der Globalisierung

Die Globalisierung polarisiert. Auch wenn es zahlreiche Kritiker gibt, so ist die Zahl der Befürworter und Nutznießer wahrscheinlich deutlich höher. Zu den Argumenten für bzw. Vorteilen von Globalisierung, die von Befürwortern gerne herangezogen werden, gehören dabei die weltweite Vernetzung von Medien und Menschen und die Verringerung von Preisen, etwa bei TV-Geräten, von denen der Endverbraucher besonders profitieren kann. Mit niedrigeren Preisniveaus nicht nur bei Elektroartikeln einhergehend ist zudem das zunehmende Angebot an Waren. Unternehmen sind in der globalisierten Welt in der Lage, ihre Produkte und Dienstleistungen überall anzubieten.

Ein weiterer Vorteil der Globalisierung ist die Möglichkeit verschiedenster Länder, am Welthandel teilzunehmen. Auch die Entstehung neuer Arbeitsplätze in Entwicklungsländern durch global aufgestellte Unternehmen ist ein Vorzug der Globalisierung. Das Gleiche gilt für die Beschleunigung von Innovations- und Forschungskräften sowie die einfachere Kapitalbeschaffung für Unternehmen auf dem Weltmarkt. Oftmals als Vorteil genannt wird zudem die Möglichkeit einer beinah grenzenlos erscheinenden Mobilität, etwa in Form von einer schnellen Güter- und Personenverteilung auch in Überseeländer.

Nachteile der Globalisierung

Die Globalisierungsgegner halten dagegen, dass durch ein Voranschreiten der Globalisierung kleinere Unternehmen aus dem Mittelstand vermehrt von multinationalen Konzernen verdrängt würden und der Preisdruck einheimische Unternehmen in den Ruin führe. Als weiterer Nachteil wird demnach die mangelnde Rücksichtnahme auf die lokale Bevölkerung genommen. So werden zwar wie bereits angesprochen auch Jobs geschaffen, jedoch oftmals noch unter unwürdigen Bedingungen. So gelten die Arbeitsbedingungen in den Billigproduktionsländern, der Abbau von Arbeitsplätzen in den wohlhabenden Industrienationen und die wachsende Abhängigkeit von ärmeren Ländern gegenüber den Industrienationen neben einer insgesamt ungerechten Wohlstandsverteilung als Nachteile der Globalisierung. Der internationale und stetig nur noch weiter wachsende Warenverkehr schadet zudem der Umwelt.

Auch werden klassische Thematiken der Marktwirtschaft wie das Nachfrage-Angebots-Verhältnis zerstört oder zumindest stark beeinflusst: Beinahe grenzenlos erscheint das Angebot von Waren und Lebensmitteln, die entsprechende Nachfrage ist hingegen natürlich begrenzt – Überproduktion ist häufig die Folge. Gerade in der letzten Zeit war ein Hauptargument von Globalisierungsgegnern zudem oftmals die internationale Kettenreaktion, die heutzutage entstehen kann, sobald ein Land der Gemeinschaft in der wirtschaftlichen und finanziellen Krise steckt.

Fazit

Auch wenn es zahlreiche kritische Stimmen zur Globalisierung gibt, manche mehr, manche weniger berechtigt, birgt die Globalisierung insgesamt wohl mehr Vor- als Nachteile. Gesteigerte Transparenz, Solidarität und Zusammenhalt mit anderen Ländern, aber auch Abhängigkeiten und Ausbeutung sind dabei ganz sicher Folgen der Globalisierung. Wirtschaftlicher Aufschwung und Wachstum auf der einen Seite der Grenze kann so jedoch auch schnell zu Armut auf der anderen Seite der Grenze führen, wenn Konzerne lokale Märkte mit billigen Produkten oder Nahrungsmitteln fluten.

Eine passgenaue und haarscharfe Definition von Globalisierung kann es ebenso wenig wie die Festsetzung eines genauen zeitlichen Ursprungs geben. Wahrscheinlich war bereits der Handel mit Nachbarvölkern in urzeitlichen Epochen der Beginn von Globalisierung – und noch heute hat sie unbestrittenen Einfluss auf unseren Alltag und unser Denken.

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