Industrialisierung in England

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Die Industrialisierung in England ist gleichzusetzen mit der so genannten „Industriellen Revolution„, die in England im Jahre 1780 ihren Anfang nahm. Sie kennzeichnet vor allem den Übergang von der agrarischen zur industriellen Produktionsweise. Güter und Dienstleistungen wurden zunehmend maschinell erzeugt. Danach verbreitete sich die Industrialisierung zunächst in Europa und Nordamerika, später ab 1950 auch in Lateinamerika und Asien. Mit Ausnahme der Rohstoffgewinnung sind in bestimmten Bereichen Industrialisierungsprozesse aufgetreten. Diese betrafen die Verarbeitung, die Dienstleistungen, die Freizeitwirtschaft und die Abfallwirtschaft.

Warum die Industrialisierung ausgerechnet in England ihren Ausgangspunkt hatte, hängt mit einer Reihe von Faktoren zusammen, die sich gegenseitig beeinflussten. Einige entstanden auch unabhängig voneinander. Sie begünstigten die Industrialisierung und schufen notwendige Voraussetzungen. Diese Faktoren seien im Folgenden genannt:

  • Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern besaß der König in England keine absolutistische Herrschaft. Diese war schon früh, zusammen mit der Grundherrschaft, gelockert worden. Auch der Zunftzwang war abgeschafft worden. Somit konnte sich der Handel freier ausbreiten, mehr Kapital konnte gebildet werden, und dies schaffte eine wesentliche Voraussetzung für technische Neuerungen, zum Beispiel die Dampfmaschine, die 1796 von James Watt weiterentwickelt wurde.
  • Die englische Bevölkerung wuchs von 1780 bis 1900 von 8 Millionen auf 32 Millionen. Auch hier übertraf England andere europäische Länder, insbesondere Deutschland. Gründe für die Bevölkerungsexplosion waren der Rückgang der Kindersterblichkeit und der Seuchen, eine gestiegene Lebenserwartung, eine verbesserte Hygiene und eine Zunahme der Stadtbevölkerung durch Abwanderung der Bauern. Die Abwanderung verstärkte sich, als dem Landadel und dem Bürgertum gesetzmäßig erlaubt wurde Bauernhöfe aufzukaufen und sie in ertragsintensive Großgüter zu verwandeln.
  • Nicht zuletzt war diese besondere Mobilität der besseren Infrastruktur zu verdanken. England hatte die Bedeutung der Eisenbahn und der Wasserwege früher als andere Staaten erkannt. Dazu kam, dass die Heiratsverbote wegfielen. Die Bevölkerungszunahme führte zu einer vermehrten Nachfrage nach gewerblichen Gütern, vor allem Textilien.
  • England war, seit dem17. Jahrhundert, Europas größte Handelsmacht. Im Laufe der Jahre nahmen Welthandel und Schifffahrt noch an Bedeutung zu, sodass England die Ständeschranken lockerte. Somit konnte der Adel am weltweiten Handel teilnehmen. Eine günstige Voraussetzung waren die Rohstoffvorkommen in England wie Erz und Kohle, aber auch Baumwolle und andere Rohstoffe aus den Kolonien. Letztere wurden in den folgenden Jahren noch erweitert. Das angesammelte Kapital und die niedrigen Zinsen des hoch entwickelten englischen Bankwesens waren diesbezüglich geradezu Wegbereiter der Industrialisierung.
  • Die Veränderungen der Anbaumethoden und die erhöhte Produktivität in der Landwirtschaft führten zu einem gesteigerten Bedarf an industriellen Produkten, aber auch zu einer Verbesserung des Lebensstandards der Bevölkerung. Diese war wiederum bedingt durch die hervorragende Logistik, da aufgrund des Ausbaus der Eisenbahn und der Kanalwege Güter in alle Ecken des Landes transportiert und verkauft werden konnten.
  • Durch die abgewanderten Bauern erhöhte sich das Potential der Arbeitskräfte in den Städten. Diese mussten allerdings, wegen des Überangebots, zu niedrigen Löhnen und schlechten Arbeitsbedingungen arbeiten.
  • Bei der Durchsetzung der Industrialisierung hat die Erfindung der Dampfmaschine einen erheblichen Anteil. Sie wurde zunächst für den Antrieb von Spinn- und Webmaschinen genutzt. Vorteile der Dampfmaschine waren die Unabhängigkeit von den Jahreszeiten und vom Standort, zum Beispiel ein Wasserlauf. Später wurde die Dampfmaschine bei Lokomotiven, Schiffen und in der Eisenverarbeitung eingesetzt und stetig verbessert.

Die positiven und negativen Auswirkungen der Industrialisierung traten schon bald zutage. Die Städte waren überfüllt, Kanalisation und Hygieneeinrichtungen hielten nicht mit und es kam zu Choleraepidemien. Die Industrialisierung führte zwar zu Geburtenrückgang und zu einem Reichtum bestimmter Schichten, aber er trug auch zu einer wachsenden Umweltverschmutzung und letztendlich zur globalen Erwärmung bei.

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