Wall Street New York

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Die Wall Street in New York City zählt mit der weltgrößten Aktienbörse ‚New York Stock Exchange‚ zu den berühmtesten Straßen der Welt. Sie verläuft vom Broadway bis zur South Street durch den Stadtteil Manhattan und verleiht dem gesamten amerikanischen Financial District seinen Namen. Einst auf einem Schutzwall gegen die indianische Urbevölkerung entstanden, gilt die Wall Street heute als Zentrum des Börsenhandels der Vereinigten Staaten von Amerika. Entlang der Straße befinden sich neben der Wertpapierbörse zahlreiche berühmte Bauwerke, Banken und Hotels. Die Bezeichnung Wall Street wird umgangssprachlich synonym auch für das eigentliche Gebäude des Börsenhandels verwendet. Den Grundstein für den Wertpapierhandel in der Wall Street legten 24 Aktienhändler im Jahre 1792. Sie unterzeichneten das sogenannte Buttonwood-Abkommen, welches ihren Kunden mindestens ein viertel Prozent Kommission versprach. Die Unterschriften setzten die Beteiligten an einem Buttonwood-Baum in der Wall Street Nummer 68 unter den Vertrag.

Vom Schutzwall zum Finanzzentrum

Im Jahre 1652 ließ Petrus Stuyvesant, der Generaldirektor der ehemalig ansässigen Kolonie von Nieuw Nederland, in Manhattan einen Erdwall errichten. Der Wall verlief quer über die Insel und bildete eine schützende Grenze im Norden der Stadt. Ziel sollte es sein, New Amsterdam, wie New York bis 1667 vor der Eroberung durch die Engländer hieß, vor dem Eindringen von Feinden zu schützen. Im Laufe der Jahre bildete sich entlang des Erdwalls eine Straße, die den Namen „Wall Street“ erhielt. Entlang der Wall Street entstanden vor allem ab dem 19. Jahrhundert zahlreiche Bürohäuser und Hotels, welche der Straße den Charakter eines wohlhabenden Geschäftsviertels verliehen. Zum endgültigen Mittelpunkt der Finanzwelt wurde die Wall Street mit der Einrichtung einer Börse und dem regen Handel mit Aktien und Anleihen. Die heutige ‚New York Stock Exchange‘ (NYSE) wurde am 22. April 1903 eröffnet. Der Eingang mit der prunkvollen Tempelfassade im griechischen Stil befindet sich in 18 Broad Street, einer Querstraße zur Wall Street.

Der Beginn des Handels mit Wertpapieren in den USA liegt in der Zeit nach dem Unabhängigkeitskrieg, der von 1775 bis 1783 die Staaten in ein finanzielles Fiasko schlittern ließ. Um Kapital zu beschaffen, gab die US-Regierung Staatsanleihen im Wert von rund 80 Millionen US-Dollar aus. Die sogenannten Schuldverschreibungen dienten dazu, Käufer zum Kauf von Anleihen zu bewegen und sie finanziell von den Zinsen profitieren zu lassen. Zur Zeit der Grundsteinlegung des organisierten Börsenhandels im Jahre 1792 wurden insgesamt fünf Wertpapiere gehandelt, davon drei Staatsanleihen und zwei Aktien von Banken. Im Laufe der nächsten Jahre wuchs der Aktienhandel stetig an und führte am 8. März 1817 zur Gründung einer örtlich manifestierten Organisation, dem ‚New York Stock & Exchange Board‘ mit Sitz in der Wall Street. Die Reglementierung war den Regeln der Börse in Philadelphia angepasst. Am 21. Februar 1820 beschloss die Börse eigene Satzungen.

Bis zum heutigen Tage erlebte die Wall Street als Synonym für die Wertpapierbörse zahlreiche Höhen und Tiefen. Im Jahre 1835 zerstörte ein verheerender Brand mehrere Gebäude und der Aktienhandel musste vorübergehend an anderen Orten bzw. später in neuen Gebäuden stattfinden. Seit 1903 lautet die Adresse der Wertpapierbörse Wall Street Nummer 11. Einer der größten Markteinbrüche wurde am 24. September 1869 verzeichnet. Am sogenannten „Schwarzen Freitag“ verursachten Spekulationen am Goldmarkt größte Verluste. Dem „Schwarzen Donnerstag“ am 24. Oktober 1929 ging eine angespannte Wirtschaftslage voraus. Aus Panik vor dem Wertzerfall der Aktien führte ein rasanter Verkauf von Wertpapieren zur Weltwirtschaftskrise. Mit der Erfindung der Telegrafie im Jahre 1944 erlebte der Aktienhandel in der Wall Street einen Aufschwung. Erstmals konnten auch Investoren außerhalb New Yorks am amerikanischen Aktienhandel teilnehmen. Seit 2001 musste die New Yorker Börse zwischenzeitlich zwei Mal geschlossen werden. Zwischen dem 11. und 14. September 2001 wurden wegen des Terroranschlages auf das World Trade Center keine Aktien gehandelt. Am 29. und 30. Oktober 2012 verhinderten ein Hurrikan und starke Unwetter den Wertpapierhandel.

Leben und Architektur in der Wall Street

In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens ließen sich in der Wall Street sowohl Privatpersonen als auch Unternehmer nieder. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung New Yorks im 19. Jahrhundert stieg die Zahl der Unternehmensgründungen, und Manhattan wurde ein Zentrum für Vertreter von Geschäftsinteressen. Im 20. Jahrhundert fanden sich in der Wall Street fast nur noch Büro- und Firmengebäude. Da kaum Läden oder Restaurants vorhanden waren, zeigte sich die Straße besonders außerhalb der Bürozeiten menschenleer. In den 1960er Jahren begann man daher, die Wall Street mit dem Umbau leer stehender Bürogebäude in Wohneinheiten zu beleben. Im Laufe der Jahrzehnte entstanden Appartments und Lofts und es bildete sich eine neue Infrastruktur. Zur Belebung der Wall Street trägt bis heute auch der Tourismus bei. Die geschichtsträchtigen Gebäude und Museen entlang der Straße bilden einen Teil der Top-Sehenswürdigkeiten New Yorks.

Am nordwestlichen Ende der Wall Street befindet sich eine der berühmtesten Kirchen New Yorks, die 1846 fertiggestellte Trinity Church. Die 86 Meter hohe Dreifaltigkeitskirche wurde im Stil der Neugotik erbaut und war vor dem Bau von Wolkenkratzern das höchste Gebäude der Stadt. Auf dem Friedhof der Trinity Church finden sich Gräber großer Persönlichkeiten aus den Gründerzeiten der Vereinigten Staaten. Dazu zählen unter anderem die letzten Ruhestätten des Begründers der Bank of New York, Alexander Hamilton, und des Erbauers der ersten brauchbaren Dampfschiffe, Robert Fulton. Wall Street Nummer 14 beherbergt die Federal Hall, das erste Kapitolgebäude der USA. In dem um 1700 errichteten Bauwerk fanden eine Reihe großer geschichtlicher Ereignisse statt. Der erste Präsident der Vereinigten Staaten, George Washington, legte am 30. April 1798 am Balkon der Federal Hall seinen Amtseid ab. Auch die ‚Bill of Rights‘, die ersten zehn Zusatzartikel zur amerikanischen Verfassung, wurden in der Federal Hall verabschiedet.

Das Trump Building in 40 Wall Street, ehemals Bank of Manhattan Company, überragt mit siebzig Stockwerken die meisten Bauwerke New Yorks. Für kurze Zeit galt der 1930 entstandene Bau im Stil des Art déco als das höchste Gebäude der Welt. Berühmtheit erlangte das Trump Building auch wegen seiner kurzen Bauzeit von nur elf Monaten. Heute befinden sich darin hauptsächlich gewerbliche Büroflächen. Imposant erscheint auch das amerikanische Hauptquartier der Deutschen Bank mit rund 160.000 m² Bürofläche in der Wall Street Nummer 60. Die Fassade des Gebäudes hebt sich von der restlichen Architektur entlang der Straße deutlich ab. Nicht der gewohnte Art déco, sondern ein postmoderner Stil bestimmen das Äußere des Bauwerkes.

Tagsüber zählt die Wall Street heute zu den am stärksten frequentierten Straßen Manhattans. In den letzten Jahrzehnten wurde daher die verkehrstechnische Infrastruktur ständig weiterentwickelt. Die nur einspurig befahrbare Straße kann über zahlreiche öffentliche Verkehrsmittel aus allen Richtungen erreicht werden. Unter der Wall Street befinden sich drei Stationen der New York City Subway.

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