Wikileaks

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Wikileaks ist eine Internetplattform, auf der geheime und vertrauliche Dokumente, Videos und Informationen veröffentlicht werden bzw. wurden, deren Enthüllung im besonderen Interesse der Öffentlichkeit steht. Dies sind vor allem Dokumente von Regierungen, Geheimdiensten, Militärs oder Unternehmen. Ziel von Wikileaks ist es, die Meinungs- und Pressefreiheit weltweit zu garantieren, so dass wichtige weltpolitische Ereignisse korrekt wiedergegeben werden können und somit geschichtliche Daten nicht verfälscht werden. Durch diesen Enthüllungsjournalismus will Wikileaks für Transparenz sorgen und so Korruption und Verstöße gegen Menschenrechte aufdecken sowie Demokratien stärken. Die Gründer der Plattform stützen sich dabei auf die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ aus dem Jahre 1948. Diese Resolution der UN-Generalversammlung beinhaltet in Art. 19 das Recht eines jeden Menschen, sich durch unabhängige Medien Informationen zu verschaffen. Resolutionen der Generalversammlung der Vereinten Nationen sind für die Staaten unverbindlich.

Seit der Gründung von Wikileaks im Jahre 2006 primär durch den Australier Julian Assange, wurden zahlreiche prekäre Informationen veröffentlicht. Dazu zählen Publikationen über Kriegsverbrechen wie Folter oder Vergewaltigung, Luftangriffe auf Zivilisten, Korruption, Finanzaffären, Spionage, Rechtsextremismus, Umweltverschmutzung oder Methoden von religiösen Bewegungen. Ein Informant – auch „Whistleblower“ genannt – kann bzw. konnte sein Material in der sogenannten „electronic drop box“ auf der Homepage von Wikileaks hochladen. Sodann nehmen sich die Journalisten von Wikileaks den Informationen an. Die Quellen bleiben stets anonym. Sie werden nicht preisgegeben. Zu diesem Zweck verfügt Wikileaks über topaktuelle Sicherheitssoftware, so dass alle Daten mit einem Hochsicherheitspasswort geschützt werden. Zudem sind die Informationen auf mehreren, weltweit verteilten Servern vorhanden, so dass eine Löschung der Daten weitgehend sinnlos wäre. Da jedoch im Jahre 2010 nach Angaben von Wikileaks ehemalige Mitglieder die Software durch Datenklau sabotierten, können seitdem keine Daten mehr sicher abgespeichert werden.

Die Plattform ist nicht gewerbsmäßig und finanziert sich durch Spendengelder. Da Assange zufolge zahlreiche Spenden nicht an Wikileaks weitergeleitet wurden, veröffentlichte die Plattform seit Oktober 2011 zunächst keine Informationen mehr. Darüber hinaus sah und sieht sich Wikileaks neben Finanzierungsproblemen auch mit starkem politischen und juristischen Druck konfrontiert. Daneben gab es auch interne Streitigkeiten zwischen den Mitgliedern von Wikileaks. Zudem werfen Kritiker der Plattform mangelnde Kontrollmechanismen und ein hohes Missbrauchs-Potential vor. Wikileaks veröffentlichte ferner auch schon gefälschte Dokumente. Trotz der Ähnlichkeit des Namens steht Wikileaks nicht mit der freien Enzyklopädie „Wikipedia“ in Verbindung. Das hawaiianische Wort „Wiki“ steht jedoch bei beiden Plattformen für „schnell“. „Leaks“ kann mit „undichte Stellen“ übersetzt werden.

Die Anfänge der Plattform

Wie und von wem Wikileaks gegründet wurde, ist nicht eindeutig zu belegen. Sicher ist jedoch, dass der australische Computerspezialist, Hacker und Programmierer Julian Assange zusammen mit einigen (wahrscheinlich fünf) anonymen Gründungsmitgliedern das Projekt initiierte. Eine weitere wichtige Rolle spielte wohl der Melbourner Student Daniel Mathews, der als überzeugter Linker Wikileaks gesellschaftspolitische und menschenrechtsfördernde Züge verlieh. Das Projekt startete am 4. Oktober 2006 mit der Registrierung von drei Wikileaks-Domains. Obwohl Wikileaks auch zu Gründungszeiten weltweit zahlreiche freiwillige Mitarbeiter hatte, sind nur wenige von ihnen namentlich bekannt. Darunter beispielsweise der deutsche Informatiker Daniel Domscheit-Berg, der Wikileaks im Jahre 2007 beitrat, jedoch 2010 wieder ausstieg. Außerdem gilt der isländische Enthüllungsjournalist Kristinn Hrafnsson als eines der bekanntesten Gesichter der Plattform. Eine richtige Struktur oder Organisation besitzt Wikileaks nicht. Genauso wenig einen Firmensitz. Die Informationen kommen von einem Netz internationaler Unterstützer der Plattform. Die ersten Veröffentlichungen auf Wikileaks im Jahre 2007 führten noch nicht zu einem weltweiten Aufschrei. Es handelte sich zunächst um einen Report über das korrupte Verhalten des ehemaligen kenianischen Präsidenten Daniel Arap Moi sowie um Dokumente, die bewiesen, dass im Strafgefangenenlager Guantánamo Menschenrechte verletzt wurden.

Der Durchbruch von Wikileaks

Ab 2009 rückte Wikileaks mehr und mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Plattform konnte mit über einer Million Dokumente aufwarten, die Missstände in verschiedensten Staaten der Erde anprangerten. Beispielsweise wurde über toxische Abfälle an der Elfenbeinküste oder das Abkommen zwischen der Europäischen Union und den USA zur Weitergabe von Bankdaten berichtet. Daneben erhielt Wikileaks den „Amnesty International Media Award“ in der Kategorie „New Media“ für die Veröffentlichung von Dokumenten über außergerichtliche Hinrichtungen und das Verschwindenlassen von politischen Gegnern in Kenia. Im Jahre 2010 gelang der Enthüllungsplattform der endgültige Durchbruch. So veröffentlichte Wikileaks ein Video, dass einen Luftangriff von US-Soldaten in Bagdad zeigt, durch den zwölf Zivilisten – darunter zwei Journalisten – zu Tode kamen. Im gleichen Jahr wurden auch Details über Einsätze der US-Armee in Afghanistan bekannt. Zudem kam es zum sogenannten „Cablegate“. Wikileaks veröffentlichte zahlreiche geheime Berichte der Botschaften der Vereinigten Staaten in aller Welt an das US-Außenministerium. Hierin werden zum Beispiel einzelne Politiker analysiert, darunter Angela Merkel, Nicolas Sarkozy oder Muammar al-Gaddafi.

Versuche, Wikileaks lahmzulegen

Seitdem muss sich Wikileaks gegen zahlreiche Offensiven verschiedener Staaten, Organisationen und Unternehmen wehren. Zunächst wurde versucht, Wikileaks in unterschiedlichen Ländern wie Deutschland, USA, Iran oder Thailand (vorübergehend) zu blockieren oder zu zensieren. In den USA wurde zudem eine Task Force gegründet, mit dem Ziel Wikileaks zu zerstören. Zahlreiche weltweit bekannte Unternehmen wie PayPal, Amazon oder Visa wirkten auf politischen Druck hin nicht mehr mit Wikileaks zusammen, so dass keine Spendengelder mehr überwiesen werden konnten. Darüber hinaus wurde der amerikanische Soldat Bradley Manning verhaftet, der als einer der Hauptinformanten von Wikileaks gilt. Ihm droht im schlimmsten Falle die Todesstrafe.

Hinzu kommt, dass Julian Assange von den USA als eine Bedrohung für die öffentliche Sicherheit angesehen wird. Einige Stimmen in den USA fordern eine Anklage Assanges, wobei jedoch nicht klar ist, aufgrund welcher Gesetzesnorm er angeklagt werden könnte. Darüber hinaus wurde Assange 2010 in Schweden u.a. wegen Vergewaltigung angeklagt und es wurde Haftbefehl erlassen. Da er sich zu diesem Zeitpunkt nicht in Schweden befand, wurde er mittels Interpol international gesucht. Assange stellte sich im Dezember 2010 in London. Er wurde jedoch kurze Zeit später gegen Kaution wieder aus der Untersuchungshaft entlassen. Später entschieden britische Gerichte, dass er an Schweden ausgeliefert werden müsse, woraufhin Assange Zuflucht in der Botschaft von Ecuador in London suchte. Da Julian Assange Angst vor der Auslieferung über Schweden an die USA hat, wo ihm die Todesstrafe drohen könnte, beantragte er 2012 in der ecuadorianischen Botschaft in London politisches Asyl. Dies wurde ihm im August 2012 gewährt. Da die britische Polizei ankündigte, dass sie Assange sofort verhaften werde, sollte er das Botschaftsgebäude verlassen, befindet sich dieser noch immer dort.

Trotz dieser Vorkommnisse besteht Wikileaks bis zum heutigen Tag weiter. Auch nach 2010 wurden geheime Dokumente veröffentlicht. Darunter „The Guantánamo Files“, durch die u.a. offenbart wurde, dass einige Häftlinge sich zu Unrecht in dem Gefangenenlager befinden. Im Jahre 2011 wurde die Plattform sogar für den Friedensnobelpreis nominiert. 2012 begann Wikileaks damit die sogenannten „Syria Files“ zu veröffentlichen. Dadurch wurde deutlich, dass u.a. auch deutsche Firmen weiterhin mit Syrien zusammenarbeiten, obwohl das syrische Regime international geächtet wurde. Julian Assange hat auch für das Jahr 2013 zahlreiche Enthüllungen angekündigt.

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