Kreuzzüge

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Der Begriff „Kreuzzug“ entstand erst im 13. Jahrhundert n. Chr. und bezieht sich größtenteils auf die sogenannten Orientkreuzzüge von 1095 bis 1444. Allerdings folgten auf die Orientkreuzzüge noch weitere Konflikte mit Haiden, Ketzern und der Ostkirche, welche im weiteren Sinne auch als eine Art von Kreuzzug angesehen werden. Bevor der Begriff Kreuzzug aufkam, wurden solche stark religiös geprägten Kriege unter anderem auch als „bewaffnete Pilgerfahrt“ bezeichnet.

Die Rückeroberung und der Erste Kreuzzug

Die Religion war im Mittelalter allgegenwärtig und spielte deshalb auch bei der Expansion verschiedener Kulturen eine entscheidende Rolle. Im 7. Jahrhundert etwa begannen die Araber damit sich auszudehnen und eroberten bis zum Jahr 750 n.Chr. große Teile des römischen Orients, des Perserreichs, Europas und Zentralasiens. Dieser zeitgeschichtliche Abschnitt wird auch als islamische Expansion bezeichnet und dauerte bis in die Mitte des 8. Jahrhunderts an. Auch die heilige Stadt Jerusalem wurde im Jahr 638 von den Arabern eingenommen und somit von Muslimen beherrscht. Der Erste Kreuzzug im Jahr 1095 galt deshalb auch der Rückeroberung Jerusalems durch die Christen. Papst Urban II hatte dazu aufgerufen in der französischen Stadt Clermont. Auslöser dafür war ein Angriff der türkischen Fürstendynastie Seldschuk auf Teile des Byzantinischen Reichs. Dessen Kaiser Alexios I. Komnenos bat im christlich geprägten Europa um militärische Hilfe, da die eigene Armee geschwächt war durch vorangegangene Konflikte im In- und Ausland. Geprägt durch die muslimische Expansion und die Zerstörung der Grabeskirche (christliches Heiligtum in Jerusalem) auf Befehl des Kalifen al-Hakim, wurde die Aufforderung zum Kreuzzug von vielen Teilen der christlichen Bevölkerung Europas positiv angenommen.

Aus den unterschiedlichsten Ländern erreichten 1096 verschiedene Gruppen von Kreuzfahrern die Stadt Konstantinopel und schworen dem byzantinische Kaiser Alexios den Treueeid. Gemeinsam mit den byzantinischen Soldaten machte sich das Kreuzfahrerheer in den ersten Monaten des Jahres 1097 auf nach Jerusalem. Zunächst stellten sich schnell Erfolge ein und verschiedene Orte wie Nikaia wurden erobert. Rund zwei Jahre später, im Juli 1099, nahm das Heer Jerusalem ein. Der Großteil aller Bewohner in Jerusalem wurde daraufhin ermordet. Dabei unterschieden die Kreuzfahrer nicht zwischen den einzelnen Religionszugehörigkeiten. Nach der Rückeroberung Jerusalems entstanden die vier Kreuzfahrerstaaten: Fürstentum Antiochia, Grafschaft Edessa, Grafschaft Tripolis und das Königreich Jerusalem. Die neu entstandenen Kreuzfahrerstaaten waren wie kleine Kolonien. Längst nicht alle Bewohner waren Christen und noch viel weniger Katholiken. Andersgläubige bekamen jedoch das Recht auf eine freie Ausübung ihrer Religion. Außerdem lebten schon nach kurzer Zeit Moslems, Juden und Christen friedlich miteinander. Von außen hingegen mussten die Kreuzfahrerstaaten einigen Bedrängungen standhalten, beispielsweise durch die Seldschuken. So fiel die Grafschaft Edessa im Jahr 1144 und die Kreuzfahrerstaaten riefen zum Zweiten Kreuzzug auf. Dieser dauerte von 1147 bis 1149 und sollte für Entlastung sorgen, wurde jedoch ein einziger Misserfolg. Das Heer der Kreuzfahrer erlitt in dieser Zeit starke Verluste und so mussten im Jahr 1187 die Christen abermals Jerusalem den Muslimen überlassen.

Der zweite Kreuzzug und die darauf folgenden

Es folgten weitere Kreuzzüge mit dem Ziel Jerusalem ein weiteres Mal einzunehmen, doch diese scheiterten allesamt. Einer der Gründe dafür war, dass sich die unterschiedlichen Länder, welche an den Kreuzzügen beteiligt waren, nicht darauf einigen konnten, wer das Oberkommando hat. Des Weiteren führte der katastrophale Ausgang des zweiten Kreuzzuges dazu, dass sich immer mehr Theologen aus England, Deutschland und Frankreich gegen die Kreuzzüge aussprachen. Im Jahr 1204 richteten sich die Kreuzfahrer sogar gegen das byzantinische Reich und eroberten die Stadt Konstantinopel. Diese wurde 1261 zwar wieder zurückerobert von den Byzantinern, doch die ehemalige Großmacht hatte an Stärke endgültig verloren. Bis ins 14. Jahrhundert fanden weitere Kreuzzüge mit unterschiedlichen Zielen statt wie etwa der Fünfte Kreuzzug 1228 – 1229. Dieser bildete allerdings eine kleine Ausnahme in der Reihe der Kreuzzüge, denn er war der einzig friedliche. Der Kaiser des römisch-deutschen Reiches Friedrich II. machte sich im Jahr 1228, mit einer kleinen Gruppe von Kreuzfahrern, auf nach Jerusalem. Zuvor hatte Kaiser Friedrich II. viele Jahre lang den Kreuzzug verschieben müssen – welcher eine Verpflichtung gegenüber Papst Gregor IX. war – und wurde deshalb vom Papst offiziell aus der katholischen Kirche verbannt. Im Heiligen Land angekommen verhandelte Friedrich geschickt mit dem Sultan al-Kamil und konnte so einen Kompromiss erwirken. Jerusalem fiel wieder in die Hände der Christen, mit der Bedingung, dass der Felsdom sowie die al-Aksa-Moschee in der Stadt weiterhin den Muslimen gehörten. 1231 wurde dann auch der Bann gegen Friedrich aufgehoben. Weitere Kreuzzüge, die folgten: Katharer-Albigenkreuzzug, Okzitanien, Kinderkreuzzug, Feldzug der Deutschordensritter ins Baltikum 1225 und mehr.

Der gerechte Kreuzzug und die begeisterte Bevölkerung

Auch wenn zu Beginn der Kreuzzüge allein der religiöse Gedanke von Bedeutung war sowie der Wille Jerusalem zurück zu erobern, änderte sich dies recht schnell. Vor allem zur Stärkung der eigenen Macht und Erweiterung der Landesgrenzen dienten die Kreuzzüge. Schon nach kurzer Zeit wurden nicht nur Muslime als Feinde angesehen, sondern auch jegliche Art von „Ketzern“ und auch das Byzantinische Reich blieb nicht verschont. Die Soldaten sowie das Volk waren sicherlich vollkommen von ihrer religiösen Pflicht eingenommen und fasziniert. Im Namen Gottes sowie für die Kirche sein Leben zu lassen war ehrenvoll und Kriegsgefallene wurden zu Helden und Märtyrern erhoben. Die Oberhäupter der einzelnen Reiche nutzten allerdings diesen blinden Glauben voll und ganz aus. Zur Begeisterung der Bevölkerung sollte auch noch erwähnt werden, dass die Kirche sich schon in einige Kriege vor dem ersten offiziellen Kreuzzug eingemischt hatte. Es handelte sich also nicht um ein völlig neues Konzept. Durch die Zustimmung des Papstes und somit auch durch Gott, wurde der Kreuzzug für viele zu einer gerechten Sache. Sie waren moralisch vertretbare Vorgehensweisen und nichts daran wurde als negativ oder verachtenswert angesehen.

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