Argumente gegen die Globalisierung

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Die Auswirkungen der Globalisierung sind unverkennbar. Zunehmend regt sich deshalb auch Kritik: Einige Nichtregierungsorganisationen machen auf die negativen Folgen aufmerksam. Als eine der größten Vereinigungen ist das Netzwerk „Attac“ aktiv, aber auch Gewerkschaften und Umweltverbände machen die Globalisierung für viele der weltweit existierenden Probleme verantwortlich. Die Argumente gegen Globalisierung betreffen hauptsächlich den laut ihrer Auffassung vorherrschenden Neoliberalismus. Kritisiert wird also nicht der Kapitalismus als Wirtschaftssystem selbst, sondern das Fehlen von Regeln bei internationalen Kapitalflüssen. Die Folge ist häufig risikoreiche Spekulation, wie sie auch in der Hauptsache zur aktuellen Bankenkrise geführt hat. Außerdem verzichtet der Neoliberalismus auf Marktbeschränkungen, die einen Wettbewerb regeln.

Die Folge ist, dass sich zunehmend starke, internationale Konzerne durchsetzen können. Laut Auffassung der Globalisierungskritiker geschieht diese Liberalisierung besonders auf Kosten von schwachen Volkswirtschaften in den Entwicklungsländern. Darüber hinaus ist diesen Entwicklungsländern eine Arbeitsteilung möglich, die die Fertigung vieler Produkte in Niedriglohnländer auslagern kann, den Gewinn sowie die hoch qualifizierten Jobs jedoch in den Industrienationen hält. Auf diese Weise wird der Entwicklungsunterschied zwischen den zumeist westlichen Staaten und den Entwicklungsländern zementiert.

Außerdem ermöglicht der liberale Markt den Unternehmen eine einfache und kostengünstige Produktionsverlagerung, was auch den Wettbewerb zwischen den Arbeitnehmern fördert. Globalisierungskritiker sprechen von „Sozialdumping“, weil sich die Arbeitnehmer in unterschiedlichen Ländern zunehmend in ihren Lohnforderungen unterbieten, um die Arbeitsplätze zu sichern. Häufig wird diese Neigung mit dem offenen Druck der Konzerne unterstützt, weil sie eine Produktionsverlagerung in Erwägung ziehen. Weil die Unternehmen durch den ungehemmten Kapitalfluss sehr flexibel werden, wird laut Auffassung von Globalisierungskritikern auch den Arbeitnehmern immer mehr Flexibilität sowie Zurückhaltung bei Lohnforderungen abgefordert.

Ungebremstes Wirtschaftswachstum: Umwelt hat das Nachsehen

Ebenso Bestandteil einer neoliberalen Wirtschaftpolitik sind geringe Standards zum Umwelt- und Arbeitsschutz. Besonders beim Anbau von Obst, Gemüse und Blumen kommt es durch den Einsatz von Pestiziden zu einer nachhaltigen Schädigung der Umwelt, weil das Grundwasser verunreinigt wird. Auch in der Textilindustrie in Ländern wie Indien oder Bangladesch wird die Umwelt durch die eingesetzten Chemikalien stark in Mitleidenschaft gezogen. Besonders chinesische Städte haben darüber hinaus mit einem vermeidbaren Smog-Problem zu kämpfen, weil Produktionsanlagen veraltet sind und entsprechende Filter fehlen. Fehlende Kläranlagen und die Nichteinhaltung von Vorschriften erhöhen die gesundheitlichen Risiken der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten deutlich.

Auch wenn entsprechende Gesetze vorhanden sind, kann die Einhaltung häufig nicht durchgesetzt werden. Die Ursache ist neben Korruption auch die Marktmacht der Unternehmen, die mit einer dann stattfindenden Vernichtung von Arbeitsplätzen drohen. Selbst in Industrienationen wie den USA wird auch seitens der Politik auf ähnliche Weise argumentiert und häufig eine Lockerung von Umweltschutzbestimmungen gefordert.

Globalisierungsgegner sehen Demokratie in Gefahr

Weitere Argumente gegen Globalisierung sind ähnlich fundamental: Grundsätzlich ermöglicht nämlich das Streben nach wirtschaftlichem Wachstum und die weltweite Arbeitsteilung die Entstehung von Konzernen immenser Größe. Zunehmend erscheint die Politik in den Augen der Globalisierungsgegner machtlos, wenn es darum geht, diese Konzerne zu kontrollieren. So sind in den letzten Jahren viele Firmen in Verruf geraten, weil sie persönliche Daten von ihren Kunden gesammelt haben. Unklar ist jedoch für Außenstehende, welche Daten genau gesammelt werden und was damit später geschieht. Eine Weitergabe oder ein Missbrauch zu Werbezwecken erscheint in einigen Fällen durchaus denkbar.

Durch die Tatsache, dass die Unternehmen global agieren, entsteht auch das Risiko, dass diese Daten anderen Regierungen zur Verfügung gestellt werden, die sich nicht dem deutschen oder europäischen Recht beugen. Gegner der Globalisierung stellen damit auch demokratische Grundrechte infrage, weil viele Konzerne ihrer Meinung nach eine Macht erreicht haben, die diejenige der Politik deutlich übertrumpft – aber nicht mehr durch den Wähler legitimiert werden kann.

Irrationales Wirtschaftswachstum lässt Ressourcen schrumpfen

Der eng mit der neoliberalen Wirtschaftspolitik verknüpfte Glaube, dass ein ständiges Wirtschaftswachstum notwendig sei, führt laut Auffassung von Globalisierungskritikern ebenfalls in die falsche Richtung. Denn durch den Wachstumskurs wird Konsum befördert, der für die Umwelt fatale Auswirkungen haben kann. Ein Beispiel dafür ist die in der Wirtschaftskrise von der deutschen Bundesregierung eingeführte Umweltprämie für Altfahrzeuge. Dabei wurde für jeden Neuerwerb eines Pkw eine staatliche Prämie in Höhe von 2500 Euro gezahlt, wenn das mindestens neun Jahre junge Altfahrzeug im Gegenzug verschrottet wurde.

In der Folge wurden Tausende fahrbereiter Fahrzeuge, kaum älter als der durchschnittliche Pkw-Bestand in Deutschland auf Schrottplätzen entsorgt. Das Ziel, die Wirtschaft zu stimulieren wurde zwar erreicht, für die Erde sind diese Auswirkungen aber fatal: Die zur Produktion eines Autos benötigte Energie ist hoch, außerdem ist Eisen in den kommenden Jahren ein knapper Rohstoff. Wissenschaftler konnten nachweisen, dass der dadurch entstandene Schaden weitaus größer ist, als der Nutzen durch die moderneren Fahrzeuge auf deutschen Straßen. Die allgemeine Tendenz zur Konsum- und Wegwerfgesellschaft zeigt diesen falschen Trend.

Globalisierung nützt dem Finanzkapital

So bleibt am Ende die Feststellung, dass die Globalisierung laut kritischer Beobachtung hauptsächlich der Vermehrung des internationalen Finanzkapitals nützt. Auf der Strecke bleibt demnach der soziale und wirtschaftliche Aufstieg von Entwicklungsländern, weil globale Konzerne ein Interesse daran haben, dass einige Länder auch zukünftig arm bleiben – ansonsten wird die Suche nach billigen Arbeitskräften schwierig. Auch für die Umwelt hat der Wachstumskurs fatale Auswirkungen: Nicht nur ein Ausbeuten der Ressourcen wird kommenden Generationen schwer zu schaffen machen, auch die Verunreinigung der Gewässer sowie die Abholzung der Regenwälder ist eine Folge des ungebremsten Wachstums.

Besonders scharfe Gegner der Globalisierung sehen sogar die Demokratie in Gefahr: Weil internationale Konzerne immer mächtiger werden, verliert die Politik an Einfluss – weil sie in der Regel nur national Gesetze erlassen kann und darüber hinaus von den Konzernen unter Druck gesetzt wird. Wandert die Entscheidungsgewalt aber vom Wähler zum Wirtschaftslenker, verliert der Souverän an Einfluss.

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