Globalisierung und Arbeitslosigkeit

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Globalisierung bedeutet nichts anderes als die Entstehung weltweiter Märkte und bezeichnet die kontinuierliche Verflechtung aller Wirtschaftsbereiche sowie ein globales Zusammenwirken in den Bereichen Kultur, Umwelt, Politik, Kommunikation etc. Verantwortlich für eine funktionierende Verbindung dieser Bereiche ist, neben Einzelpersonen oder Konzernen, vor allem die Staaten selbst. Spätestens seit der Ausweitung des Internets, der Gründung der Europäischen Union und dem Zusammenbruch der Ostblockländer ist die Globalisierung nicht mehr aufzuhalten und stellt einen rasanten Fortschritt für die Menschheit dar, wobei jedoch einige Individuen buchstäblich auf der Strecke bleiben. Die Arbeitslosigkeit in gestandenen Industriestaaten steigt, gleichzeitig steigen die Lebenshaltungskosten und das verdiente Geld wird immer weniger wert. Der relativ stabile Euro kann die schleichende Inflation nicht verschleiern.

Pro und Contra der Globalisierung im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit

Ehemals wirtschaftlich schwache Staaten profitieren scheinbar von der Globalisierung. Dort verringert sich die Arbeitslosigkeit, weil viele billige Arbeitskräfte für immer mehr Billigproduktionen benötigt werden. Dementsprechend gering sind allerdings auch die Löhne und die Arbeitszeiten sind mit denen in Europa nicht zu vergleichen. Im Gegenzug werden in asiatischen Industrienationen und Wachstumsstaaten wie China, Korea und Thailand qualifizierte Fachkräfte gebraucht, um die Märkte noch weiter auszubauen und die Qualität der Waren zu steigern. Hier übersteigt die Nachfrage bei weitem das Angebot und Fachkräfte aus dem Ausland werden „eingeführt“.

Ähnliches passiert auch in Deutschland. Fachkräfte wandern dorthin, wo sie mehr verdienen (z.B. in die Schweiz oder nach Skandinavien), preiswertere Fachkräfte aus dem Ausland werden angeworben. Die Billigpreispolitik und die Verlagerung der Produktion in den asiatischen oder osteuropäischen Raum, kosten vor allem in Europa Arbeitsplätze in der Industrie. Besonders gravierend kann der Arbeitsplatzrückgang in der Bekleidungsindustrie und in den Zulieferbetrieben für Auto- und Maschinenteile beobachtet werden.

In westeuropäischen Ländern wie Spanien, Portugal oder Irland, steigt die ohnehin schon recht hohe Arbeitslosenquote weiter. Griechenland ist dabei ein ganz anderes Thema. Doch nicht nur die steigende Arbeitslosigkeit in den westlichen Ländern ist ein Problem für die Betroffenen, auch eine Gewichtung der Arbeitsleistung nach unten ist erkennbar, wie nachfolgende Erläuterungen deutlich machen.

Bedeutet Globalisierung viel Arbeit und weniger Verdienst?

Die Verknüpfung von Globalisierung und Arbeitslosigkeit betrifft nicht allein den asiatischen Raum, der tatsächlich hohe Wachstumsraten zu verzeichnen hat, oder Schwellenländer wie Brasilien, wo zwar viel gearbeitet, aber wenig verdient wird. Auch in Deutschland sind die Auswirkungen deutlich spürbar – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Der negative Aspekt scheint zu überwiegen. Neue Absatzmärkte müssen erschlossen werden, Produktionen werden ins Ausland verlagert und die Import-Export-Rate gerät in ein merkliches Ungleichgewicht.

Die Politiker sprechen zwar von kontinuierlichem Wirtschaftswachstum, bei einem Großteil der Bevölkerung kommt diese Entwicklung jedoch nicht an. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und nicht von billigen, aber gleich guten Produkten aus dem Ausland überholt zu werden, müssen die Firmen ihre Produktionskosten senken, obwohl die Preise für Rohstoffe weltweit steigen. Diese Kostensenkung geschieht durch Auslagerung ganzer Produktionsstrecken, Arbeitsplatzabbau und Kurzarbeit. Mit Kurzarbeit ist in diesem Zusammenhang gleiche Arbeit bei verkürzter Arbeitzeit und geringerem Lohnniveau gemeint – oder anders ausgedrückt: Mini-Jobs, 400-Euro-Jobs, Arbeitsplatz-Splitting. Geleistete Arbeit in Deutschland wird buchstäblich „entwertet“.

Arbeitslosigkeit wird in Statistiken verpackt

Diese Arbeitsmarktpolitik wird mit vermeintlich sinkender Arbeitslosigkeit begründet und verteidigt. Die Arbeitslosenstatistik sieht immerhin auf dem Papier hübsch überschaubar aus, zumal sie lediglich mit dem Vorjahresergebnis verglichen und Abweichungen mit Konjunkturschwankungen erklärt werden. Die Zahlen werden häppchenweise und zeitlich versetzt an die Öffentlichkeit gebracht. Wer sich für die echten Zusammenhänge interessiert, muss schon selbst seine mathematischen Fähigkeiten bemühen oder sich anderweitig schlau machen.

Laut wissenschaftlicher Erhebungen stieg die Arbeitslosenquote in Deutschland zwischen 1970 und 2000 stetig, liegt aber immer noch deutlich unter dem Mittelwert der gesamten EU. Das ist einfach zu erklären und „schönt“ regelmäßig die Arbeitslosenstatistiken. Denn in Deutschland wird nur als arbeitslos erfasst, wer auch als arbeitslos gemeldet ist, im Gegensatz zu anderen EU-Ländern, in denen jeder, der Arbeit sucht, automatisch als arbeitslos zählt. Freiwillige oder unfreiwillige Unterbeschäftigung zählt in Deutschland nicht als „ohne Arbeit“, demnach ist dieser Personenkreis zwar zu großen Teilen weiterhin Arbeit suchend, jedoch nicht arbeitslos.

In den USA verfahren die Statistiker ähnlich, die Grauzone der unterbeschäftigten und unterbezahlten arbeitenden Bevölkerung ist hier noch höher. Die „offizielle“ Arbeitslosigkeit hält sich vermeintlich in Grenzen (Quelle: OEDC, Grafik unter http://library.fes.de/library/flassbeck/flassbeck.html#E10E7).

Wie lange bleibt das soziale Auffangnetz in Deutschland stabil?

Noch kann das soziale Netz dieses wachsende Missverhältnis zwischen viel Arbeit bei immer weniger Verdienst abfedern. Geringverdiener erhalten Aufstockung aus Bundes- und Landesmitteln (Hartz4) oder absolvieren zwei 400-Euro-Jobs gleichzeitig, mit dem Ergebnis, dass sie genauso viel arbeiten wie eine Vollzeitkraft, aber nur die Hälfte dafür verdienen. Das betrifft längst nicht mehr nur die ungelernten oder „unterqualifizierten“ Arbeitnehmer, diese Entwicklung kann in allen Erwerbszweigen beobachtet werden. Tarifverträge werden gekippt, Festangestellte durch Subunternehmer oder Zeitarbeiter ersetzt, Pleiteunternehmen aufgekauft. Angestellte und Arbeiter werden entlassen und/oder mit neuen „kleineren“ Arbeitsverträgen wieder eingestellt. Wer sich weigert, dem droht die Arbeitslosigkeit.

Den mittelständischen Unternehmen (vorwiegend im Dienstleistungssektor) kann kaum ein Vorwurf gemacht werden. Sie nutzen nur die vom Gesetz geschützten Möglichkeiten aus und versuchen zu retten, was zu retten ist, um auf dem Markt bestehen zu können. Kann die Globalisierung als erfolgreich angesehen werden? Konzerne, die ihre Umsatz- und Absatzzahlen halten oder dank der geöffneten Weltmärkte sogar steigern konnten, werden dies bejahen.

Die Globalisierung schreitet unaufhörlich voran

Die Globalisierung ist für die Weltwirtschaft ein großer Fortschritt, für den Einzelnen nicht generell. Nun könnte man sagen, dass kleinere oder mittlere Dienstleistungsunternehmen doch überhaupt nicht von der Globalisierung betroffen wären, weil sie nur regional tätig sind. Im Gegenteil – sie spüren sogar überdurchschnittlich hoch die Negativauswirkung der weltweiten Wirtschaftsverknüpfungen, denn die Binnenkaufkraft schwindet spürbar. Wie bereits oben beschrieben, haben die Menschen immer weniger Geld zum Ausgeben zur Verfügung.

Die Schere zwischen reich und arm klafft unübersehbar auseinander. Inzwischen sind sogar viele „Mittelständler“ auf staatliche Zuschüsse angewiesen, die wiederum von einem Bruchteil der besser verdienenden Bevölkerung finanziert werden müssen. Durch die Auslagerung ganzer Industriezweige ins billigere Ausland wird zwar die Exportrate stabil gehalten, aber das Geld bleibt nicht im eigenen Land, denn es wird vorher für die Produktionskosten außerhalb ausgegeben.

Im Ergebnis kaufen viele Deutsche billige, im Ausland produzierte Waren, weil sie sich keine teuren mehr leisten können. Oder sie kaufen deutsche Markenprodukte (z.B. Autos) im Ausland, weil diese dort aufgrund eingesparter „Rückführungskosten“ billiger sind. Auch wenn sie in Deutschland ihr Siegel aufgedrückt bekommen, aber nicht mehr produziert werden – noch haben die Erzeugnisse „Made in Germany“ einen guten Ruf.

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