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Politik und Globalisierung

Oft wird Afrika als Beweis dafür genannt, dass die Globalisierung den Entwicklungsländern schadet, da dessen Bevölkerung aus der Armut scheinbar nicht von alleine herauskommt. Zwar hat sich der Anteil Afrikas am Welthandel in den letzten 50 Jahren immer weiter verringert, jedoch muss hier eine differenziertere Betrachtung stattfinden.

Wird Afrika an den Rand der fortschreitenden Globalisierung gedrängt?

Auch Entwicklungsländer können von der Globalisierung profitieren, dies zeigen die aufstrebenden südostasiatischen Schwellenländer: Einige von diesen besaßen in den 60er Jahren ein ähnlich niedriges Pro-Kopf-Einkommen wie die afrikanischen Länder. Nicht vergessen darf man zudem die positiven Beispiele lateinamerikanischer Länder, die inzwischen nach und nach ihre Anteile am Weltexport vergrößern. Das Auswärtige Amt benennt Lateinamerika und die Karibik so etwa „mit seinen gut 550 Millionen Menschen und einem BIP von rund 2,2 Billionen US-Dollar“ einen für die deutsche Wirtschaft wichtigen „Handels-, Investitions- und Kooperationspartner, wobei sich künftige Entwicklungspotentiale gerade aus den bislang eher niedrigen Anteilen am Weltexport (5,6 %) und Welt BIP (5,9 %) ergeben“. Lateinamerika hat sich also an den Zug der Globalisierung angehängt und die beiden größten Entwicklungsländer China und Indien haben ihre Märkte zeitgleich geöffnet und reformiert. (Quelle: http://www.auswaertiges-amt.de)

Effektive Wirtschaftspolitik auch in afrikanischen Staaten

Länder mit solider Wirtschaftspolitik gibt es auch in Afrika. Dort herrschen Exportorientierung und transparente Rahmenbedingungen für Investoren, was zu beachtlichem Wachstum geführt hat und sich auch positiv auf Sozialindikatoren niedergeschlagen hat. Besonders gilt dies für Botswana, dessen Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf der Bevölkerung von 1970 bis 1997 sogar noch schneller gewachsen ist als das der ostasiatischen Schwellenländer. Schneller wirtschaftlich gewachsen als durchschnittliche lateinamerikanische Staaten in dieser Zeit sind aber auch Lesotho, Swaziland und Mauritius. Diese Länder liegen somit im oberen Drittel der Sozialindikatoren wie Lebenserwartung, Trinkwasserversorgung, Schulbesuche etc. - mit der Ausnahme dass Botswana Anfang der 80er Jahre mit der Lebenserwartung weit über dem Durchschnitt lag. Wegen der neben Simbabwe höchsten Ausbreitungsrate von hiv/Aids fiel die durchschnittliche Lebenserwartung in Botswana jedoch bis 1997 auf 47 Jahre (und damit unter den afrikanischen Durchschnitt).

Dieses differenzierte Bild macht zwei Fakten deutlich: Erstens weisen die afrikanischen Entwicklungsländer scheinbar strukturelle Gemeinsamkeiten auf, die es ihnen schwer machen, im weltwirtschaftlichen Wetteifern anderer Staaten mitzuhalten. Dennoch sind zweitens nicht alle dieser Strukturmerkmale unveränderlich, wie der wirtschaftliche Aufstieg beispielhaft aufgeführter afrikanische Länder zeigt.

Abhängigkeit von den Industriestaaten

Eine strukturelle Benachteiligung von Ländern, die in der Kolonialzeit auf Rohstoffexport ausgerichtet wurden, ist eine historisch klar gegebene Tatsache. Zwar besitzt Afrika den Vorteil des Rohstoffexports, dieser führt jedoch paradoxerweise gleichzeitig zu einem Nachteil, nämlich der so genannten „Entwicklungssackgasse“. Dies erklärt sich so, dass die meisten Rohstoffe in ihrer Bedeutung am Weltmarkt und für Industriestaaten abnehmen und daher langfristig mit sinkenden Preisen für diese gerechnet werden muss. Damit fallen Länder, die lediglich Rohstoffe exportieren gegenüber diesen Ländern zurück, die Industriegüter oder Dienstleitungen exportieren können. Hinzu kommt der Verlust von Weltmarktanteilen Afrikas an dynamischere Entwicklungsländer, die in Infrastrukturen etc. investiert haben.

Die Schuld der Industrieländer

Afrika war auch nach dem Ende der Kolonialzeit in der Rolle des Rohstofflieferanten verblieben. Die Interessen ausländischer Investoren, aber auch europäische Angebote einer Exporterlösstabilisierung förderten bei afrikanischen Politikern zudem die Illusion, mit Rohstoffexporten ließen sich auf Dauer die benötigten Devisen verdienen - und dies ohne tiefgreifende Entwicklungsanstrengungen. In der Zeit des Kalten Krieges kamen daneben aus strategischen Gründen Regime aufgrund zweifelhafter Legitimierungen an die Macht. Lange angehäufte Schulden lagern seit dem Ende des Kalten Krieges zudem auf den fehlgeleiteten afrikanischen Ländern.

Für eine Exportvielfalt der verarbeiteten Industriegüter fehlen die Mittel, zusätzlich ist natürlicherweise der technologische Graben zwischen Afrika und den Industrieländern immer größer geworden. Darüber hinaus untergraben die mit Subventionen nach Afrika exportierten europäischen Nahrungsmittelüberschüsse nach Meinung vieler Experten die dortige marktorientierte Agrarproduktion, was die Handelsstrukturen weitgehend schwächt.

(Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung)

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