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Industrialisierung

Das Zeitalter der Industrialisierung kennzeichnet den Übergang von einer in erster Linie agrarisch und handwerklich geprägten Lebensweise zu einer maschinell technischen. Der Übergang vollzog sich während des 19. Jahrhunderts, wobei die exakten Zeiträume starken zeitlichen Schwankungen unterlagen. Die deutsche Kleinstaaterei, mit denen unterschiedliche Währungsräume und Grenzzölle einher gingen, hemmten die Entwicklung auf dem zersplitterten Gebiet maßgeblich. Die Logik der industriellen Fertigung besteht in der günstigen Herstellung großer Quantitäten. Während die Fertigung geringer Stückzahlen durch die teuren Investitionen in Maschinen unproduktiv ist und besser von manueller Arbeitskraft übernommen werden konnte, änderte sich dies bei hohen Stückzahlen. In hoher Geschwindigkeit und mit nur geringen Stückkosten waren die Maschinen gegenüber den Arbeitern im Vorteil. Die Zersplitterung des heutigen deutschen Staatsgebietes verhinderte somit durch die Behinderung des freien Handels, der damit verbundenen Restriktion auf geringe Quantitäten und die erschwerten Bedingungen im Bereich des Technologietransfers ein frühes Auftreten der Industriellen Revolution.

In seiner ursprünglichen Form hingegen lag die Blüte des Zeitalters der Industrialisierung im England des 19. Jahrhunderts. Für das frühe Auftreten dieses Phänomens auf der Insel gab es mehrere begünstigende Faktoren. Kaum zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang der Status Englands als Kolonialmacht. Wichtige konkurrierende Industrien wie etwa die indische Textilindustrie konnten politisch unterdrückt werden. Die riesigen Gebiete des englischen Weltreichs nutzte die britische Krone als Absatzmärkte. Außerdem hatte die militärisch dominierte Ausbreitung bereits zuvor für Handelskontakte in Übersee gesorgt, die mit dem technischen Fortschritt intensiviert werden konnten. Teil dieser Entwicklung war das Vorhandensein von ausreichend Handelsschiffen und bewaffneten Schutz für selbige bei der Verteilung der Waren auf dem Weltmarkt. Doch noch andere Gründe sprachen für ein Fortschreiten der Industriellen Revolution. Ein Wandel in den landwirtschaftlichen Strukturen sorgte für eine Konzentration landwirtschaftlicher Nutzfläche auf eine geringe Anzahl von Großgrundbesitzern. Damit einhergehend war eine Konzentration des Kapitals, so dass große landwirtschaftliche Unternehmer in der Lage waren, die relativ hohen Anfangsinvestitionen in Maschinen zu leisten, wozu Kleinbauern nicht in der Lage waren. Gleichzeitig wurde durch die effiziente Arbeitsteilung in den Großbetrieben ein Heer von Agrararbeitern beschäftigungslos. Sie baten der Industrie ihre Arbeitskräfte an und hatten so einen wichtigen Beitrag bei der Ablösung des Agrarsektors durch den Industriesektor als größten Arbeitgeber und wichtigster Wirtschaftszweig. Der Staat erkannte die Misere der anhaltenden Arbeitslosigkeit und sorgte mit einem Investitionsprogramm für Beschäftigung und wichtige infrastrukturelle Grundlagen der Industrialisierung. Der Ausbau des Eisenbahnnetzes war ein wichtiger Faktor des Programms. Außerdem wurde der Handel über die Seewege dadurch erleichtert, dass eine Vielzahl an Binnenkanälen im Landesinnern die Verladung der Ware und somit erhöhte Transportkosten vermieden.

Diese wichtigen Voraussetzungen wurden genutzt, um bahnbrechenden Erfindungen Auftrieb zu geben. Sie sorgten dafür, dass eine neue Innovationskraft entstand und somit die Produktionsprozesse revolutioniert werden konnten. Eine dieser wichtigen Erfindungen war die Dampfmaschine, die zwar bereits 1712 erfunden worden war, ihre entscheidende Verbesserung und damit ihren Nutzen für die Industrie kam allerdings erst im Jahre 1769 durch James Watt. Durch die Spinnmaschine "Spinning Jenny" und den mechanischen Webstuhl wurde die Textilproduktion revolutioniert. Die Dampflokomotive ist ebenfalls untrennbar mit dem Zeitalter der Industrialisierung verbunden, wenn ihre Erfindung auch erst gegen Ende der Episode die Transportmöglichkeiten beschleunigte.

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